Kategorien
Hunzer Werbung

Kirche kann … was?

Kirche kann Karriere
Gesehen in der F.A.Z. vom 19./20.05.2018

„Kann ich mal die Nutella?“ – „Was denn?“ – „Haben!“

Unseren Kindern, Kumpels und Kollegen haben wir es mühsam ausgetrieben – und jetzt kommt die katholische Kirche, genauer: das Bistum Essen damit um die Ecke: „Kirche kann Karriere“. Geht’s noch dürftiger?


„Können“ ist (wie dürfen, mögen, müssen, sollen und wollen) ein Modalverb und benötigt normalerweise ein weiteres Verb, das Vollverb. Nur in der Umgangssprache kann das Vollverb, wenn es als selbstverständlich vorausgesetzt wird, weggelassen werden. Wir haben es hier jedoch mit einer Stellenanzeige, demzufolge mit einer sehr formalen Angelegenheit zu tun. Wäre es dem Personaler denn recht, wenn ich mich im Gegenzug umgangssprachlich bei ihm bewürbe: „Hey, bin voll interessiert, klingt stark, mach mal Termin.“ Wohl kaum.

„Alles muss raus!“ Bei dieser Ankündigung benötigen wir kein Verb, ebensowenig bei „Das sollst du nicht [machen]“ oder „Ich muss mal [!]“. Aber welches Vollverb wird von den Essener Stellenanzeigern als selbstverständlich vorausgesetzt? „Kirche kann Karriere“ … „ermöglichen?“ „fördern?“ „behindern?“ „zerstören?“ Wir wissen es nicht, wir ahnen es bestenfalls. Leider wurde einmal mehr die Klarheit der Aussage auf dem Altar der Alliteration geopfert.

Und dann soll ja nicht die Kirche etwas „können“, sondern höchstwahrscheinlich soll der Gesuchte die Karriere „machen können“. Es handelt sich also auch um einen semantischen Betriebsunfall.

Ein typografischer ist es sowieso, denn warum muss es mit Verdana unbedingt eine ausgelutschte Windows-Standardschrift sein, die nicht einmal echte Kursive besitzt? OK, Comic Sans wäre noch schlimmer gewesen… Aber wieso um Gottes Willen dann auch noch die vielen verschiedenen Farben (sechs an der Zahl), Schriftgrößen und Auszeichnungen (Normal, kursiv, fett, fett und kursiv)?

Liebes Bistum Essen, eine Stellenanzeige soll nicht nur Bewerber anlocken, sondern sie wird auch das eigene Unternehmen darstellen. Und nur weil jemand meint, er „könne“ mal eben eine Stellenanzeige zusammenklöppeln, muss er das noch lange nicht „können“!