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Soo! nicht

Soo! muss Technik - Kampagnenmotiv
Soo! muss Technik – Kampagnenmotiv

Soo! muss Technik? Nein, so nicht.
Und „Soo!“ schon gleich gar nicht.
Irgendwann muss es doch mal gut sein mit dieser elenden Sprachverhunzerei im Namen des Kommerz.

Deutschlands meiste Kreditkarte, mit der ein – wir ahnen es bereits – Kreditkartenunternehmen vor Jahren eine Zeitlang für seine Dienste warb, war grammatikalisch bedenklich, zeugte aber wenigstens von einer gewissen Kreativität in Form sprachlicher Provokation.

Geiz ist geil, Saturns letzte große Kampagne, lieferte immerhin den Beweis, dass in der Werbung ab und an auch einmal vollständige Sätze, bestehend aus Subjekt und Prädikat (im vorliegenden Fall wird ein Adjektiv prädikativ verwendet), zum Einsatz kommen dürfen..
Ob es dagegen angebracht ist, eine der sieben Todsünden mit sexueller Begierlichkeit zu paaren (oder ist hier etwa die „Vergeilung“ von Pflanzen gemeint?), um den Kaufanreiz zu erhöhen, sei hier nicht diskutiert.

Bereits der im vergangenen Jahr von Saturn zum Einsatz gebrachte Slogan beschränkte sich nur noch darauf, jenen semantisch ohnehin fragwürdigen Claim Geiz ist geil! auf Geil ist geil! zu reduzieren, ihn damit von jedem merkantilen Sinn zu befreien und ihn endgültig dem Bodensatz dessen anzuvertrauen, was dringendst der Vergessenheit angehört.

Und jetzt: Soo! muss Technik? Nein, nein, nein!

  •  „So“ wird weiterhin mit einem „o“ geschrieben; mir ist zumindest nichts Gegenteiliges bekannt.
  • Ein Ausrufezeichen mitten im Satz ist – mit Verlaub – albern; das ist bei Yahoo! aber auch nicht besser.
  • Wenn schon, denn schon: Den geltenden Regeln gemäß müsste dem Ausrufezeichen ein Großbuchstabe folgen.
  • Am schlimmsten aber: Es fehlt der zweite Teil des Prädikats. Was „muss Technik“ denn: Sein? Werden? Funktionieren? Glänzen, schmecken, laufen?
    Es gibt Ellipsen (Auslassungen), die funktionieren. Ein gutes Beispiel dafür ist der Slogan „Heute ein König“: Auf das „sein“ kann ich getrost verzichten, weil ich es zweifelsfrei aus dem sprachlichen Kontext rekonstruieren kann.

Warum muss sich „Werbesprache“ – so es denn eine gibt – immer wieder in geradezu krampfhafter Weise orthografisch und grammatikalisch falsch bzw. unvollständig gebärden?
Gewiss: Sprache ist ein lebendiges Gut und sie wird von Menschen genutzt. Von Menschen, die sich entwicken und verändern. Damit entwickelt und verändert sich auch ihre Sprache, was dazu führt, dass Wörter und ihre Nutzung, dass sich Schreibweisen und grammatikalische Regeln anpassen, entwickeln und ändern.

Aber doch bitte nicht mit der Brechstange!

Der Slogan, um den es hier geht, ist ein Sprachgebrauch, der sich auf liederlichste Weise einer falsch verstandenen Jugendsprache anbiedert. Kein Jugendlicher spricht so! Zumindest noch nicht. Und ich will auch nicht, dass jemals einer so spricht, geschweige denn so(o!) schreibt! Welche schreckensgeweiteten Augen der Slogan bei der Mehrzahl der Deutschlehrer hervorrufen wird, wage ich mir erst gar nicht auszumalen.

Minderwertige Sprache führt mich zu der naheliegenden Vermutung, die damit beworbenen Produkte seien ebenfalls minderwertig. Dieses Risiko würde ich jedenfalls nicht eingehen…

Soo! nicht!
Nicht mit mir.

Quelle: Media-Saturn Pressemitteilungen: „Soo! muss Technik“

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